Gedanken zum Segeln

Gerade das Segeln lädt zum Träumen ein. Segeln gibt die Gelegenheit zum Entspannen, zum Runterkommen.

Entstand doch früher der Eindruck, daß das Segeln eher vom finanzkräftigen Publikum ausgeübt wurde, so ist es heute zum Glück so, daß es darum geht, viel zu lernen und dann ein Segelboot sicher bewegen zu können. Alles Wissen steht jedem zur Verfügung. Man muß das Wissen nur erlernen und das Können muß man sich antrainieren. Ein Boot kaufen, das kann jeder. Aber es kundig und gemäß den Grundsätzen guter Seemannschaft fahren, das erfordert den ganzen Mann. Segeln als Lifestyle oder Mittel zum Zweck?

Der Trend ist da. Nicht nur weil Segeln klimafreundlich ist, sondern weil es einfach Spaß macht. Nichtsdestotrotz ist Segeln eine vielfach unterschätzte Art, sich fortzubewegen, ohne dabei die Umwelt zu belasten. Werden deshalb die Wasserflächen zu eng? Nun gut, in den Sommerferien auf dem IJsselmeer oder der Kieler Förde... Da ist schon richtig was los... Zum Glück gibt es ja auch die anderen Zeiten. Die Welt ist im Wandel! Vielleicht werden wir aufgrund steigender Wasserstände an den Küsten, explodierender Bevölkerung und damit einhergehendem Platzmangel an Land irgendwann sowieso auf die Wasserflächen ausweichen müssen. Das ist gerade in den Niederlanden schon vielfach umgesetzt.

Wenn man also auf einem Segelboot unterwegs ist kann man sich sogar ständig die Umgebung, in der man leben möchte, aussuchen. Sofern der Job und ähnliche zivilisationsbedingte Umstände dies zulassen.

Warum nicht gleich nach Bora Bora?

Zum Glück sind diese letzten Paradiese noch nicht so überbevölkert, weil es doch einiges braucht, um dorthin zu segeln. Und die Reisen zu den Paradiesen bleiben hoffentlich noch lange sooo teuer, daß die meisten diese Reise nicht antreten.



Wo liegt das Wagnis in der Seefahrt? Es ist letzten Endes das Zulassen eigener Fehler und dann das Beste daraus machen, ohne dabei ums Leben zu kommen. Seefahrt ist heute entdramatisiert durch GPS, AIS, Radar, Echolot Seefunk und weitere Elektronik. Moderne Technik macht vieles erreichbar. So lange sie funktioniert. Und wenn man eh schon beim Segeln ist, eigentlich eine veraltete Fortbewegungsart seit Erfindung der Motoren, dann kann man sich gleich mit einer weiteren veralteten Art der Navigation auseinandersetzen: Der Astro-Navigation. Das Buch mit sieben Segeln! Aber so schlimm ist es gar nicht. Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Barographen, Chronometer, etc... Tradition trifft Moderne: Satellitennavigation. Sich selbst beweisen, daß man es kann. Wagemut ist gefragt. Also der Mut, etwas zu wagen. Mit entsprechender Vorbereitung. Nicht einfach drauflos! Das geht nur mit Üben, Üben und Üben. Und sich dabei begleiten lassen.

Die Welt wird kleiner. In der Wahrnehmung! Physisch zum Glück nicht. Durch Elektronik und moderne Kommunikation via Internet und Satelliten haben seit den 90ern viele Segler größere Fahrten gemacht, als es noch zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts denkbar war. Auch die technische Aufrüstung im Bereich der Rettungsmittel hat große Sprünge gemacht. Aus den Unglücken hat man größtenteils die richtigen Schlüsse gezogen. Aber Sicherheit kann man nicht kaufen. Sicherheit entsteht im Kopf. Wer also das Segeln beherrscht, kann für mehr Sicherheit sorgen, als jedes dicke Konto.

Denn die Anfahrt, die Rettungsdienste auf hoher See haben, sind nicht kürzer geworden... Trotz aller Informationsnähe ist die räumliche Ausdehnung der Ozeane gleich geblieben.

Ich bin froh, daß es so ist und gerade auf See die Erwartungshaltung „Die anderen werden mir schon helfen“ so nicht funktioniert! Diese Einstellung gefährdet nur ungerechtfertigt die Gesundheit und das Leben derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, anderen in Seenot zu helfen. Seenot ist das Eine, unbedacht und unausgebildet Retter gefährden ist das Andere. Bei all der instrumentalitären und instrumentalisierten Sicherheit (diese funktioniert nur solange Strom vorhanden ist!) gilt es immer zu berücksichtigen, daß nicht jederzeit gewährleistet sein kann und darf, daß andere Leute ihr Leben dafür einsetzen das von Dritten zu retten. Dabei sind selbst die Ozeane heutzutage teilweise strukturiert durch Fahrwasser und Verkehrstrennungsgebiete.



Auch das „begleitete Blauwassersegeln“ in Form von „Regatten“ z.B. über den Atlantik, wo man vermeintlich sicher ist, weil andere in der Nähe sind, verführt zu sehr zu leichtfertigem Handeln. Küstennnahes Flottillensegeln eignet sich da schon eher. Grundkenntnisse in Wetter- und Klima-Navigation sind unbedingt notwendig.

Mir jagt es immer einen Schauer über den Rücken, wenn ich von Einhandregatten lese. Verantwortungslosigkeit beim Einhandsegeln im Gegensatz zu guter Seemannschaft! Also ständig gehörig Ausguck gehen. Dazu gehört nicht, sich auf die Technik zu verlassen und dabei zu schlafen.

Wichtig ist, nicht immer die aktuellsten Nachrichten aus den Zielorten im Vorfeld zu verarbeiten. Man muß sich auch mal einfach auf die Fremde einlassen. Oft reicht ein Törnführer zum Einlesen um dann auch vor Ort noch erleben zu können. Erst dann kann man mitreden.

Man kann also das Segelboot als Transportmittel verwenden. Das ist um einiges umweltfreundlicher als das Flugzeug! Und Segeln kann die Sicht auf die Welt verändern. Fliegen nicht. Die Natur unterwegs erleben und dadurch Interesse am Schutz entwickeln...

Es ist nie zu spät, endlich anzufangen. Und oft entstehen die großen Träume mitunter auf den kleinen Baggerseen beim Segeln mit der Jolle.

Dieser Text ist jetzt mal wieder länger geworden, als geplant.

Handbreit!

Andreas Schenkel

Photo Andreas Schenkel